Dr. Wilfried Henes & Andrea Böing
Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin
Kinderpneumologie
Meningokokken Meningitis
Meningokokken sind Erreger von vorwiegend im Kindes- und Jugendalter vorkommenden, potentiell schwer verlaufenden bakteriellen Infektionen mit teilweise hoher Letalität und epidemischem Auftreten. Die Therapie von Meningokokken-Infektionen erfolgt mit Antibiotika. Trotzdem können häufig tödliche Verlaufsformen oder bleibende neurologische Schäden nicht verhindert werden. Die Mehrzahl der Infektionen in Deutschland werden durch die Serogruppen B (ca. 65-70%) und C (ca. 20-25%) verursacht.
Aktuell sind monovalente Impfstoffe gegen den Serotyp C, quadrivalente Impfsotffe gegen die Serogruppen A, C, W135 und Y sowie Impfstoffe gegen die Serogruppe B verfügbar. Die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C und B wird von der STIKO für alle Kinder
empfohlen. Bei Vorliegen eines erhöhten Risikos für Meningokokken-Erkrankungen (Patienten mit Immundefekten, Laborpersonal, für Reisen und Aufenthalte in epidemischen/hyperendemischen Gebieten, Ausbrüche) werden je nach Risikosituation auch die Impfungen gegen Meningokokken A, C, W135, Y und/oder Meningokokken B empfohlen.
Primäres Ziel der Impfung von Kleinkindern gegen Meningokokken der Serogruppe C/B ist es, die Morbidität invasiver Meningokokken-C/B Erkrankungen und die resultierenden Folgen wie Hospitalisierung, schwere Komplikationen, Behinderung und Tod zu reduzieren. Von der Impfung aller Kinder im 2. Lebensjahr ist entsprechend den bestehenden Erfahrungen aus anderen Ländern (u.a. England, Niederlande, Spanien und Belgien) auch eine Wirkung auf die Häufigkeit der Erkrankung in anderen Altersgruppen zu erwarten.
Erreger, Übertragung und Verbreitung
Meningokokken (Neisseria meningitidis) sind gramnegative unbewegliche Diplokokken. Sie werden aufgrund unterschiedlicher Kapselpolysaccharide in 13 verschiedene Serogruppen und weiter in verschiedene Serotypen unterschieden werden. Die wichtigsten humanpathogenen Serogruppen sind die Gruppen A, B, C und W135, wobei in Deutschland überwiegend Infektionen durch die Serogruppe B auftreten.
Der einzige bekannte Wirt ist der Mensch. Außerhalb epidemischer Situationen werden Meningokokken in 2-5% der Menschen im Nasen-Rachen-Raum mit Meningokokken besiedelt. Die Übertragung erfolgt in erster Linie durch Tröpfcheninfektion.
Nach der Besiedlung des Nasen-Rachen-Raums kann es - meist hämatogen - zu einer systemischen Infektion kommen. Diese erfolgt meist bei der Erstinfektion bei fehlenden Antikörpern. Besiedlung und Infektion scheinen durch exogene Faktoren (z.B. virale Infektionen, Witterungsbedingungen) beeinflusst zu werden. Als Folge können Bakteriämien, Septikämien mit und ohne Meningitis oder mit Beteiligung anderer Organe auftreten.
Inkubationszeit und Krankheitsbild
Das klinische Bild ist variabel. Bei einer Bakteriämie ohne Sepsis kann es zu Symptomen eines Infekts der oberen Luftwege oder zu unspezifischen Exanthemen kommen.
Die Meningitis beginnt nach einer Inkubationszeit von zwei bis vier Tagen mit plötzlich einsetzenden Fieber, stärksten Kopfschmerzen und Erbrechen. Genickstarre und Opisthotonus treten als typische Zeichen auf. Bewusstseinstrübung, Augenmuskellähmung, Fazialisparese und motorische Unruhe sind weitere neurologischen Symptome. Meningoenzephalitische Verläufe führen zum Koma und zu fehlenden Muskeleigenreflexen. Septikämische Formen sind durch hohes Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl, Exanthem und petechiale Hautblutungen sowie Schocksymptome bis zum Bild des Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom (foudroyant verlaufende Sepsis mit hämorrhagischer Nekrose beider Nebennieren und Schocksymptomatik) gekennzeichnet.
Behandlungsmöglichkeiten
Meningokokken-Infektionen werden mit Antibiotika behandelt. Antibiotika der ersten Wahl sind Penicilline und/oder Cephalosporine Gruppe 3a und/oder Rifampicin.
Nutzen der Impfung für das Individuum und die Allgemeinheit
Die Impfung gegen Meningokokken wird wegen der Häufigkeit der Erkrankung im Kindesalter und der hohen Sterblichkeit für einen individuellen Schutz gegen Meningokokken-Infektionen bei erhöhtem Infektionsrisiko verabreicht. Meningokokken (Neisseria meningitidis) können eine Blutvergiftung (Sepsis) oder eine Hirnhautentzündung (Meningitis) verursachen, die manchmal binnen weniger Stunden zum Tode führt. Primäres Impfziel der Impfung von Kleinkindern ist es, die Morbidität invasiver Meningokokken-Erkrankungen der Serogruppe C/B und die resultierenden Folgen wie Hospitalisierung, schwere Komplikationen, Behinderung und Tod zu reduzieren. Von der Impfung aller Kinder im 2. Lebensjahr ist entsprechend den bestehenden Erfahrungen aus anderen Ländern (u. a. England, Niederlande, Spanien, Belgien) auch eine Wirkung auf die Häufigkeit der Erkrankung in anderen Altersgruppen zu erwarten.
Darüber hinaus ist die Impfung für spezielle Risikogruppen (Patienten mit erhöhtem Infektionsrisiko bei angeborenen oder erworbenen Immundefizienz, Laborpersonal), bei besonderen Situationen vor Reisen in bestimmte Länder (u.a. Katastrophenhelfer, Pilgerreisende, Langzeitaufenthalte insbesondere im Kindes- und Jugendalter) und bei Ausbrüchen/ regional gehäuftem Auftreten eines im Impfstoff enthaltenen Typs von den Gesundheitsbehörden empfohlen.
Verfügbare Impfstoffe
Impfstoffe mit unterschiedlichen Serotypen stehen zur Verfügung:
Meningokokken Gruppe C Impfstoff (konjugiert)
Meningokokken A, C, W135,Y als Polysaccharid-Konjugat-Impfstoff
Meningokokken Gruppe B Impfstoff
* Wir bedanken uns für die freundliche Genehmigung der Informationen von forum-impfen Verein und Service für Ärzte und Apotheker
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